27.5.2024 – OLG Naumburg: Kein Schadenersatzanspruch eines mit gesenktem Kopf auf ein Fahrzeug auffahrenden Rennradfahrers

OLG Naumburg vom 24.10.2023, Az. 9 U 74/23

Ein Rennradfahrer war mit seinem Rad auf einer öffentlichen Straße unterwegs. Um Schwung zu holen für die anstehende Steigung, fuhr er mit gesenktem Kopf.

Dadurch übersah er einen stehenden Pkw und fuhr auf. Er forderte Schadenersatz, da das Fahrzeug ohne Warndreieck und ohne ersichtlichen Grund stand. Daher habe er zu spät wahrgenommen, dass sich das Auto nicht bewegte und sei aufgefahren. Den Autofahrer treffe eine Mitschuld.

Die Versicherung verweigerte die Zahlung und argumentierte, dass ein Rennradfahrer, der mit gesenktem Kopf fährt, den Verkehr nicht ausreichend beobachten kann und allein hafte.

Das OLG Naumburg wies die Schadenersatzansprüche ab.

Ein Radfahrer sei verpflichtet, so zu fahren, dass er den vor ihm befindlichen Verkehr beobachten könne. Wenn demnach ein Radfahrer eine nicht unerhebliche Strecke mit gesenktem Kopf fahre, könne er dieser Pflicht nicht nachkommen.

Wenn er dann auf ein stehendes Hindernis - hier ein Fahrzeug – auffahre, hafte er alleine. Eine Betriebsgefahr des Fahrzeugs könne nicht angerechnet werden, da das Fehlverhalten des Radfahrers so schwer wiege, dass es darauf nicht mehr ankäme.