29.4.2024 – LG Flensburg: Haftungsverteilung bei Kollision zwischen Radfahrendem und Autofahrer an Fußgängerfurt

LG Flensburg vom 28.12.2023, Az. 4 O 161/22

Ein Fahrradfahrer überquerte fahrend eine Fußgängerfurt, für die die Lichtzeichenanlage mit einem Fußgängersymbol grün zeigte.

Ein Pkw bog gleichzeitig links ab und es kam zur Kollision. Der Radfahrer forderte Schadenersatz und Schmerzensgeld, die Versicherung des Pkw zahlte 2/3 des Schadens.

Damit war der Radfahrer nicht zufrieden. Er war der Ansicht, dass der Pkw-Fahrer die Alleinschuld trage. Zum einen müsse die Betriebsgefahr höher angesetzt werden, zum anderen habe der Fahrer gegen die Umschaupflicht verstoßen. Daher scheide eine Mithaftung des Radfahrers aus.

Das LG Flensburg wies die Klage ab.

Eine Haftung über die Quote von 2/3 komme nicht in Betracht, denn auch den Radfahrer treffe ein erheblicher Verkehrsverstoß. Er habe entgegen der Anordnung der Ampel – Grünlicht für Fußgänger – fahrend die Furt überquert.

Diese Verhaltensweise sei gefährlich, weil der Radfahrende mit erheblich höherer Geschwindigkeit unterwegs sei als der Fußgänger und noch dazu aufgrund der eindeutigen Ampelsymbolik überraschend auftauche.

Dass ein Verkehrsteilnehmer in hohem Tempo kreuzt, könne das Reaktionsvermögen des Autofahrenden überfordern. Genau das sei hier geschehen, so dass ein Mitverschulden in Höhe von 1/3 angemessen sei.